{"version":1,"type":"rich","provider_name":"Libsyn","provider_url":"https:\/\/www.libsyn.com","height":90,"width":600,"title":"#123 - Ausbildung Studium und Beruf \u2013 meine Karriere mit MS","description":"  In Folge #123 berichte ich Dir, was mir geholfen hat, erfolgreich meinen Ausbildungs- und Berufsweg mit Multipler Sklerose zu gehen. Welche Etappen gab es bei mir? Welche Eigenschaften haben mir geholfen, immer wieder ein St\u00fcck voran zukommen? Und wie hat die MS meinen Weg beeinflusst? Hier geht es zum Blogbeitrag: https:\/\/ms-perspektive.de\/meine-karriere-mit-ms Vielleicht hilft Dir der ein oder andere Impuls auf Deinem Weg. Mir ging es immer darum, Neues zu lernen, mit tollen Menschen zusammen zu sein, mich einzubringen und davon gut leben zu k\u00f6nnen. Meine Route beinhaltete auch H\u00fcrden und verlief eher gewunden. Ich habe unterwegs herausgefunden, was mein n\u00e4chster Meilenstein werden soll. Und dort angekommen, verweilte ich eine Weile, bis ich zur n\u00e4chsten Station aufbrach. Vermeintliche Sackgassen er\u00f6ffneten mir neue M\u00f6glichkeiten, an die ich vorher gar nicht gedacht hatte. Darum, bleib offen, interessiert, flexibel und lernbereit, dann wird gewiss auch Dein Weg spannend und erfolgreich.                 Ist Karriere mit MS \u00fcberhaupt m\u00f6glich?                  Nat\u00fcrlich. Du kannst so ziemlich jeden Beruf aus\u00fcben, der Dir vorschwebt. Berufe im medizinischen Bereich von Krankenpfleger \u00fcber \u00c4rztin bis hin zu Wissenschaftler. Du kannst K\u00fcnstler werden, Anwalt, Polizist, Handwerker, Sekret\u00e4rin, Techniker, B\u00fcrokaufmann, Erzieherin, was auch immer. Es gibt auch den riesigen Bereich des Ehrenamtes, falls das eher zu Dir passt. Dabei erh\u00e4ltst Du zwar maximal eine geringe Aufwandsentsch\u00e4digung, aber Anerkennung, das Gef\u00fchl gebraucht zu werden, und bist eingebunden in ein soziales Gef\u00fcge. Je nachdem, wie es Dir pers\u00f6nlich geht, ist es vielleicht erforderlich, gewisse Anpassungen vorzunehmen, wie eine reduzierte Stundenanzahl oder irgendwelche Unterst\u00fctzungen. Ich selbst hatte immer das Gl\u00fcck Vollzeit arbeiten zu k\u00f6nnen und wenig bis keine Einschr\u00e4nkungen durch die MS hinnehmen zu m\u00fcssen. Das verdanke ich gewiss auch meiner funktionierenden verlaufsmodifizierenden Therapie, die mich davor sch\u00fctzt, dass die MS weiter voranschreiten kann.      Ber\u00fchmte Menschen mit MS      Es gibt einige ber\u00fchmte MS-Patienten mit ganz unterschiedliche Karrieren.&amp;nbsp;Malu Dreyer&amp;nbsp;ist seit Januar 2013 Ministerpr\u00e4sidentin von Rheinland-Pfalz. Ihre Diagnose erhielt sie bereits 1995. Teilweise nutzt sie einen Rollstuhl f\u00fcr l\u00e4ngere Strecken, das hindert sie aber nicht daran eine hohe und verantwortungsvolle Position auszu\u00fcben. Selma Blair&amp;nbsp;ist Schauspielerin. Sie erhielt ihre Diagnose 2018 und hat ihren Kampf gegen die Erkrankung offiziell gef\u00fchrt. Aufgrund einer hochaktiven MS entschied sie sich f\u00fcr eine&amp;nbsp;Stammzelltherapie, die offenbar erfolgreich bei ihr verlief. Es gibt mehrere Profisportler, die die Diagnose w\u00e4hrend ihrer aktiven Laufbahn erhielten. Stan Belinda, spielte in der Major League Baseball als Werfer.&amp;nbsp; Josh Harding&amp;nbsp;spielte nach seiner Diagnose 2012 noch mehrere Jahre als Eishockey-Torh\u00fcter bei den Minnesota Wild und schloss ein Jahr sogar als bester Torh\u00fcter der gesamten NHL ab. Lori Schneider&amp;nbsp;ist Bergsteigerin. Sie erhielt ihre Diagnose 1999 und bestieg 2009 als&amp;nbsp;erste Person mit MS den Mount-Everest. Au\u00dferdem organisierte sie eine Besteigung des Kilimandscharo, des h\u00f6chsten Berges von Afrika mit weiteren MS-Betroffen und Parkinson-Betroffenen. Joan Didion&amp;nbsp;war eine mehrfach ausgezeichnete Autorin. Sie wurde 87 Jahre alt und ver\u00f6ffentliche bis zu ihrem Lebensende neue Werke.       Interviewg\u00e4ste mit MS      Selbstverst\u00e4ndlich gibt es jede Menge normale Menschen mit MS, einige durfte ich bereits f\u00fcr den Podcast interviewen. Im medizinischen Sektor arbeiten:   Krankenschwester Regina Rikowski,  Physiotherapeutin Corinna&amp;nbsp;und  Altenpflegerin Michaela Neuschwander.  Bei den selbstst\u00e4ndig Kreativen gibt es:   Autorin und Verlegerin Sarah Roller,  Cartoonist und Karikaturist Phil Hubbe&amp;nbsp;sowie  Schauspieler, Synchronsprecher, Autor und Moderator Frank Sandmann.  Doch das Feld ist noch um einiges weiter und umfasst:   Medizininformatiker Martin,  Risk-Managerin Corinna Franz,  Stadtverordneten Frank F. K\u00f6nig,  Yogalehrerin und Coach Andrea, Disponent Can Erten, und&amp;nbsp;Erzieherin und nebenberuflich selbstst\u00e4ndige Dana.  Vermutlich habe ich nicht alle aufgez\u00e4hlt und entschuldige mich hiermit bei denen, die aktiv sind, ich bereits interviewt habe und hier nicht gelistet wurden.      Die Basis meines beruflichen Erfolges mit MS      Wenn ich mein bisheriges Arbeitsleben \u00fcberdenke, dann sind zwei Punkte besonders wichtig. Das ich mich dem lebenslangen Lernen verschrieben habe und auf mein Bauchgef\u00fchl h\u00f6re. Bauchgef\u00fchl definiere ich so, dass es die Mischung zwischen den logischen Fakten und meinen Emotionen bildet.      Meine Ausbildungsstationen im \u00dcberblick      1999: Abitur in Dresden 2001: staatlich anerkannte gestaltungstechnische Assistentin f\u00fcr Medien und Kommunikation 2008: Diplom Medienmanagerin 2015 \u2013 2018: Ehrenamt \u2013 Vorlesepatin Seit 2016: Autorin und Bloggerin Seit 2020: Podcasterin Seit 2022: Volle Selbstst\u00e4ndigkeit      Mit der Ausbildung fit f\u00fcrs Berufsleben (4 Jahre vor MS-Diagnose)      Nach dem Abitur hatte ich zun\u00e4chst keine Lust auf ein Studium und begann im Herbst 1999 eine kreative schulische Ausbildung, die zwei Jahre dauerte und jeweils Praktika im Sommer beinhaltet. Ich lernte viel \u00fcber Darstellung und Gestaltung, Webdesign, Marketing, Video, Audio, Animation, Fotografie und Wirtschaftslehre. Die Praktika im Sommer fanden in Unternehmen statt. Ich musste sie mir selbst suchen und bekam einen ersten Eindruck, wie ich anschlie\u00dfend mein Geld verdienen konnte. Ich lernte viel praktisches und erhielt eine generalistische Ausbildung, die zwar nicht in die Tiefe ging, daf\u00fcr aber eine gro\u00dfe Bandbreite an M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnete. An der Stelle m\u00f6chte ich mich noch mal bei meinen Eltern bedanken, die mir geholfen haben mich zu orientieren und die Ausbildung bezahlt haben. Das ist nicht selbstverst\u00e4ndlich und stellt bis heute eine solide Basis f\u00fcr mein kreatives K\u00f6nnen dar.       Berufseinstieg in der Werbeagentur (2 Jahre vor Diagnose MS)      Im Herbst 2001 fing ich nahtlos nach Ausbildungsende in einer kleinen Dresdner Werbeagentur an. Dort erlebte ich manch H\u00f6hen und Tiefen. Ich durfte kreativ arbeiten, aber nach klarer Vorgabe und manchmal ging es um einfache Themen, wie den Satzspiegel oder Bildbearbeitung. Also darauf achten, dass ein Text wenig Umbr\u00fcche und wenig L\u00f6cher auf der Seite aufweist und stundenlang Bilder ausschneiden und retuschieren. Die Aufstiegsm\u00f6glichkeiten waren begrenzt und ich sa\u00df den Gro\u00dfteil des Tages allein vorm Rechner. Schnell wurde mir klar, dass ich das nicht f\u00fcr den Rest meines Lebens machen wollte. Also schaute ich mich nach einem Studium um. Die Pl\u00e4tze f\u00fcr Medienmanagement waren begrenzt, es gab einen Eignungstest und dann gl\u00fccklicherweise die Zusage. Ziemlich zeitgleich ging die Agentur, in der ich arbeitete, in Insolvenz. Das bedeutete konkret, dass ich drei Monate kein Geld bekam, aber zum Gl\u00fcck dann noch vom Arbeitsamt ausbezahlt. Um mir kein Geld von meinen Eltern leihen zu m\u00fcssen, arbeitete ich in der Zeit in der Woche in der Agentur und am Wochenende jobbte ich im Gastrobereich, wo ich das Geld gleich ausgezahlt bekam. War nicht sch\u00f6n, aber eine dennoch lehrreiche Erfahrung. Die drei Monate bis zum Studienbeginn \u00fcberbr\u00fcckte ich als Leiharbeiterin. Als der letzte Tag in der Agentur zu Ende war, erstellte ich meine Bewerbungsmappe, ging zu mehreren Arbeitsvermittlern und hatte zwei Wochen sp\u00e4ter einen Job bei Vodafone am Empfang. Und weil ich dort motiviert &amp; engagiert arbeitete, bekam ich ein paar Wochen sp\u00e4ter das Angebot vom Finanzchef direkt von der Firma angestellt zu werden und meine Karriere mit einem klassischen B\u00fcrojob weiterzuf\u00fchren. Das war nat\u00fcrlich wohltuend so ein Angebot zu erhalten, aber ich entschied mich f\u00fcr das Studium. Daf\u00fcr hatte ich aber gleich schon den Job als Werkstudentin bei Vodafone gesichert, der mir einige Jahre Geld einbrachte und ich somit keine ganz arme Studentin war. Immer freitags und Samstag ging ich in Dresden arbeiten und unter der Woche studierte ich in Mittweida.       Studienbeginn (1 Jahr vor MS-Diagnose)      Im Herbst 2002 startete ich also in Mittweida, einer kleinen Stadt nahe Chemnitz mein Fachholstudium des Medienmanagements. Manche meiner Kommilitonen kamen direkt vom Abitur, andere hatten bereits wie ich Ausbildung und Arbeit hinter sich. Nur wenig Geld zu haben, bedeutete eine Umstellung und das Leben in der Kleinstadt ebenfalls. Aber es ging mir gut und ich lernte viel. Die F\u00e4cher waren auch hier vielf\u00e4ltig und eher breit angelegt. Sie reichten von Medienlehre, Medientechnik und Medienwirtschaft jeweils \u00fcber alle Mediensparten, sprich Zeitung, Radio, TV und beinhalteten auch Recht, Medienpsychologie und andere. Das eigentlich Besondere waren aber die vielen Projekte, die neben Lehre liefen. So war ich mal Nebendarstellerin in Kurzfilmen, erstellte eigene Beitr\u00e4ge f\u00fcr den eigenen Radiosender, schrieb Artikel f\u00fcr die Zeitung und half mit bei Marketing- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit f\u00fcr unser j\u00e4hrliches Theaterst\u00fcck. Gerade diese praktischen Erfahrungen waren besonders wertvoll. Zu merken, wo es schwierig wird, im Team arbeiten und in einem relativ gesch\u00fctzten Rahmen auch R\u00fcckschl\u00e4ge hinzunehmen, um anschlie\u00dfend das Problem zu l\u00f6sen.       Sehnerventz\u00fcndung &amp; Diagnose      Im Sommer 2003 fuhr ich mit einem guten Freund nach D\u00fcsseldorf. Die Sehprobleme hatten kurz vorher begonnen, nahmen aber zu. Ich sah verschwommen und blass. Also steuerten wir direkt die Uniklinik in D\u00fcsseldorf an. Ich wurde station\u00e4r aufgenommen, erhielt intraven\u00f6s in Cortison und bei Entlassung stand die Diagnose KIS (klinisch isoliertes Syndrom). Ich dachte mir nichts weiter, bis ich im Sommer 2004 die Diagnose MS erhielt. Das war zun\u00e4chst ein gro\u00dfer Schock. Doch vom Tief erholte ich mich recht schnell, auch dank der Unterst\u00fctzung meiner guten Freunde, die mich bis heute begleiten. Ich trank nun keinen Alkohol mehr auf Parties.       Pflichtpraktikum &amp; Werkstudentin bei Siemens (unmittelbar nach Diagnose)      Im Sommer 2004 folgte mein Pflichtpraktikum in M\u00fcnchen im Headquarter von Siemens. Das war richtig spannend. Ein halbes Jahr arbeiten mit einer Bezahlung, die f\u00fcr ein gemietetes Zimmer und ein bisschen private Ausgaben reichte. M\u00fcnchen war auch damals schon teuer. Ich durfte bei verantwortungsvollen Projekten mitarbeiten und sogar Teilaufgaben \u00fcbernehmen, nachdem ein Kollege nach S\u00fcdafrika ging f\u00fcr eine Job Rotation. Ich arbeitete am Videoschnitt der Corporate Videos und im Bereich globales Konzernmarketing. Dort wurde mein Interesse f\u00fcrs Ausland geweckt. Es gab einen englischen Kollegen, der nach Indien ging, ein Kollege aus Holland arbeitete im Team und \u00fcberhaupt war die Welt gro\u00df und international. Aufgrund meines guten Eindruckes, den ich hinterlassen hatte, erhielt ich kurz nach dem Ende des Praktikums die Anfrage, ob ich nicht als Vollzeit-Werkstudentin nach Forchheim gehen wollte. Das Angebot interessierte mich sehr. Also klapperte ich meine Professoren ab und fragte, ob ich eine Entbindung von der Anwesenheitspflicht bekommen k\u00f6nnte, um meine praktischen Erfahrungen zu vertiefen und einen Fu\u00df bei Siemens in die T\u00fcr zu bekommen. Schlie\u00dflich war und ist es einer der gr\u00f6\u00dften Arbeitgeber in Deutschland. Es war m\u00f6glich und so suchte ich mir schnell ein Zimmer, was ich in Bamberg fand. Die Studienthemen, inklusive Hausarbeiten, arbeitete ich abends nach, fuhr meist am Wochenende nach Mittweida, um Hefter abzuschreiben und nahm meine Urlaubstage f\u00fcr die Pr\u00fcfungen. Es war stressig, aber auch spannend. Denn ich war in der Medizintechnik gelandet bei der Computertomographie. Auf dem gleichen Gel\u00e4nde waren auch noch die Kollegen vom MRT. Allerdings hatte ich da Ber\u00fchrungs\u00e4ngste, weil ich zu dem Zeitpunkt, alle MS-Themen lieber weit von mir schieben wollte. Ich versuchte zwar besonders bewusst zu leben, aber ansonsten zu verdr\u00e4ngen, dass ich MS hatte. Auch hier wusste keiner von meiner Erkrankung. Ich blieb ein halbes Jahr in Forchheim und lehnte das Angebot auf Verl\u00e4ngerung ab, weil ich mich f\u00fcr das letzte Semester an der Hochschule noch mal voll aufs Studium konzentrieren wollte. War doch eine recht stressige Zeit. Aber ich wusste nun endg\u00fcltig, dass ich in die USA gehen wollte, um mein Englisch zu perfektionieren, und einfach mal im Ausland zu leben. Durch meine Kontakte wu\u00dfte ich von offenen Stellen bei Siemens Medizintechnik in den USA, wo ich mich als Praktikantin bewerben konnte. Drei Interviews bei verschiedenen Chefs waren n\u00f6tig, bis ich eine Zusage erhielt. Dranbleiben lohnt sich also und nicht entmutigen lassen, wenn es beim ersten Mal nicht klappt.      Chicago (2 Jahre nach Diagnose)      Es wurde die Nuklearmedizin. Diagnostische Ger\u00e4te, die extrem feine Aufl\u00f6sung anschauen und in den Bereichen Kardiologie, Onkologie und Neurologie eingesetzt wurden. Ich war in der Marketingabteilung, lernte dort viel Neues. Denn Marketing kann sowohl Siemens, aber vor allem auch Amerikaner. Mein englisch wurde flie\u00dfend, ich belegte f\u00fcr drei Semester Italienisch in Abendkursen, lernte Land und Leute kennen durch meine privaten Kontakte und Kurzurlaube und wurde viel selbstst\u00e4ndiger und selbstbewusster. Au\u00dferdem wurde mir unz\u00e4hlige Male vor Augen gef\u00fchrt, dass es ganz verschiedene Herangehensweisen zu einem Thema gibt und es nur selten ein eindeutiges richtig und falsch gibt. Nach dem halben Jahr Praktikum erhielt ich das Angebot f\u00fcr ein weiteres Jahr richtiges Arbeiten zu bleiben mit entsprechend mehr Verantwortung. Nach kurzer \u00dcberlegung entschied ich mich daf\u00fcr und blieb auf mein Studentenvisum da. Anschlie\u00dfend erhielt ich die Chance, noch ein Jahr dranzuh\u00e4ngen mit richtigem Arbeitsvisum. Dar\u00fcber dachte ich einige Wochen nach und verhandelte \u00fcber meine Konditionen. Obwohl sie mir gew\u00e4hrt wurden und ich eine sehr gute Bezahlung erhalten h\u00e4tte, entschied ich mich am Ende doch wieder zur\u00fcck nach Europa zu gehen. Das lag an mehreren Gr\u00fcnden. Meine Familie nur selten sehen und im Ernstfall nicht schnell nach Deutschland reisen zu k\u00f6nnen. Nur zehn Tage Urlaub und f\u00fcnf Krankheitstage. Der massive Besitz von Waffen in Privathand. Krasse Unterschiede im Verm\u00f6gensgef\u00e4lle, was zu st\u00e4ndigen Spannungen f\u00fchrt. Und das Gef\u00fchl, dass ich dort wohl nicht den Mann f\u00fcrs Leben finden w\u00fcrde und auch zu sehr Europ\u00e4erin im Herzen war, um dauerhaft dazubleiben, aber jedes Jahr l\u00e4nger die R\u00fcckkehr schwerer machen w\u00fcrde. Also ging es f\u00fcr mich zur\u00fcck nach Dresden. Doch nach 1,5 Jahren Chicago, waren mir sowohl meine Heimatstadt, als auch der Gro\u00dfraum N\u00fcrnberg-Erlangen zu klein, wohin ich viele Kontakte bei Siemens hatte.       Diplomarbeit verteidigen &amp; Jobsuche (MS seit 4 Jahren)      Zun\u00e4chst musste ich meine Diplomarbeit abgeben und verteidigen. Ich war total aufgeregt, obwohl ich superlange daran gearbeitet hatte und sie sehr ausf\u00fchrlich war. Ich erhielt eine eins und mein Professor hatte nichts daran auszusetzen, dennoch begleitete mich einige Tage eine Magenverstimmung von dem Stress und sicherlich auch aufgrund der Zukunftsangst. Einen gut bezahlten Job in Chicago abgelehnt, die Option Siemens in Deutschland nicht nutzen, wegen meiner pers\u00f6nlichen Vorliebe f\u00fcr gro\u00dfe St\u00e4dte. War das zu viel gewollt? \u00dcberspannte ich den Bogen? Ich bewarb mich bei einigen Unternehmen, \u00fcberlegte auch, ob ich nach Norditalien gehen sollte. Italien war schon immer meine gro\u00dfe Liebe als Land in Europa und Mailand eine attraktive Stadt. Aber nachdem ich mich etwas genauer dar\u00fcber informiert hatte, wie Bezahlung und Lebenshaltungskosten zueinander in Verh\u00e4ltnis standen, begrub ich diese Idee. Ich erhielt einige Absagen, f\u00fchrte mehrere Interviews und dann kam die Zusage aus Wien f\u00fcr eine Stelle im Produktmarketing f\u00fcr ein weltweites Technikunternehmen mit der Ausrichtung auf den osteurop\u00e4ischen Raum. Klang spannend. Chef war sympathisch und Wien eine sch\u00f6ne Stadt. Ich startete und erlebte mehrere Dinge, die mir nicht gefielen. Gro\u00dfraumb\u00fcro und sehr laut mit vielen verschiedenen Sprachen, die gesprochen wurden. Die Sprachen gefielen mir, aber nicht die Lautst\u00e4rke. In den USA gab es Cubes, die d\u00e4mpften die Ger\u00e4usche, dort nicht. Ich stand bei einem Lokaldurby der Clubs pl\u00f6tzlich zwischen gewaltbereiten Fans und Polizei. Abends musste ich mehrfach hungrig ins Bett, weil ich nirgendwo mehr Essen bekam, blo\u00df weil ich lange im B\u00fcro gearbeitet hatte. Und auf Arbeit wurden mir st\u00e4ndig Meetings abgesagt und ich alleingelassen, ohne jede Einarbeitung und das in einem neuen Bereich. Zeitgleich kam die Zusage f\u00fcr Berlin, wo ich im Zweierb\u00fcro sitzen w\u00fcrde, mit einem sympathischen Chef und Kollegen, \u00e4hnlichen Konditionen, meiner Schwester und Oma in der Stadt, nicht weit weg von Dresden und gewiss mehr M\u00f6glichkeiten abends essen zu bekommen als in Wien am Stadtrand. Ich k\u00fcndigte am Montag in Wien, reiste nach Dresden ab und startete am Donnerstag den Job in Berlin. Basierend auf meinem Bauchgef\u00fchl.      13 Jahre Berlin: 2008 - 2021      Aber nun war ich die sechsmonatige Probezeit ziemlich angespannt, der Winter kalt, die S-Bahn kam oft sp\u00e4ter, und ich fror beim Warten am Gleis. Ich verschleppte Erk\u00e4ltungen und die Rechnung kam Weihnachten mit meinem zweiten Schub. Immerhin hatte es ein Gutes, ich begann mit einer Basistherapie, denn die Empfehlungen hatten sich seit 2004 ge\u00e4ndert. Mit der Diagnose MS sollte man eine verlaufsmodifizierende Therapie starten. Und das MS-Zentrum Dresden existierte seit Kurze. Bis heute werde ich dort betreut, obwohl ich seit Beginn meiner Betreuung dort nie in Dresden gewohnt habe.&amp;nbsp; Bei meinem Job in Berlin arbeitete ich als internationale Marketingspezialistin in einer Spezialchemiefirma. Englisch war Voraussetzung. Ich agierte in einem internationalen Umfeld, reiste mehrfach dienstlich nach Asien \u2013 vor allem Korea, Japan und China. \u00dcber die Jahre konnte ich an vielen exzellenten Weiterbildungen teilnehmen und hatte sehr gute Konditionen, was Bezahlung, Urlaub, \u00dcberstundenregelung und Absicherungen anging. Neben vielen tollen Kollegen lernte ich au\u00dferdem beim Betriebssport meinen heutigen Ehemann kennen. Was mir aber mit der Zeit immer mehr fehlte, waren die Selbstverwirklichung und das Neue. Es gab auch kaum Entwicklungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr mich. So machte ich den gleichen Job f\u00fcr viele Jahre und immer mehr wuchs in mir das Bed\u00fcrfnis nach Abwechslung.      Ehrenamt &amp; Erste Schreibkurse (11 Jahre nach MS-Diagnose)      Nach einer Weile suchte ich mir in meiner Freizeit neue Aufgabenfelder. Ich las ehrenamtlich Kindern zwischen 4 und 8 Jahren vor bzw. half ihnen dabei, selbst lesen zu lernen. Ich belegte einen Kurs an der Volkshochschule zum Thema Kinderb\u00fccher schreiben. Das machte mir so einen Spa\u00df, dass ich dran blieb und mittlerweile sechs Kinderb\u00fccher (Jahreszeitenreihe, Bilderbuch &amp; ABC-Tiergedichte) ver\u00f6ffentlicht habe, die Website&amp;nbsp;nelehandwerker.de&amp;nbsp;und weitere Buchprojekte geplant sind. Ich belegte einen Kurs \u00fcber das Sachbuchschreiben, der mir sehr dabei half meinen Erfahrungsbericht \u00fcber meine erste 15 Jahre mit MS zu schreiben&amp;nbsp;\u201eMultiple Sklerose? Keine Angst!\u201c. Es folgte ein Krimischreibkurs, der in einer bereits geplanten Krimibuchreihe enden soll.       MS-Sachbuch &amp; Podcast (seit 16 Jahren MS-Diagnose)      Das MS Thema bekam zunehmend mehr Gewicht und mit meiner Tochter \u00e4nderte ich meine Einstellung zur Erkrankung. Statt sie vor den meisten Menschen geheimzuhalten, wollte ich nun anderen Mutmachen und Wissen leicht verst\u00e4ndlich aufbereitet weitergeben. So startete ich die Webseite ms-perspektive.de und den zugeh\u00f6rigen MS-Perspektive-Podcast Fr\u00fchjahr 2020und ver\u00f6ffentlichte mein Buch. Seitdem sind \u00fcber 120 Folgen mit Experten, Betroffenen, Solofolgen erschienen und der Podcast wurde \u00fcber 50.000 angeh\u00f6rt. Aufgrund meines Engagements und dem Herzblut was ich hineinstecke, entstanden Anfragen zu Beratung und Beitr\u00e4gen. Denn heutzutage gewinnt die Sichtweise der Betroffenen immer mehr an Bedeutung. So passierte etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Pl\u00f6tzlich erschien erst nebul\u00f6s, dann immer klarer die M\u00f6glichkeit mit dem, was mir wichtig ist, Geld zu verdienen und gleichzeitig einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Das war am Anfang nie mein Ziel gewesen. Umso gr\u00f6\u00dfer meine Freude.       Selbstst\u00e4ndigkeit (18 Jahre Leben mit MS)      Und so starte ich zum Tag der Ausstrahlung der Folge in die vollst\u00e4ndige Selbstst\u00e4ndigkeit als Patientenvertreterin, die die Perspektive von Menschen mit MS weitergibt, f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse und W\u00fcnsche eintritt. Und vor allem m\u00f6chte ich, dass Du aufgrund der Informationen, die Du hier erh\u00e4ltst, ein besseres Leben mit MS f\u00fchren kannst, sowohl gesundheitlich als auch emotional. Das ist mein pers\u00f6nlicher Antrieb. Die Vielfalt, die es mir erm\u00f6glicht ist ein weiterer Punkt, den ich liebe. Denn ich bin Podcasterin, Autorin, Bloggerin, Speakerin, Mutmacherin und bem\u00fche mich t\u00e4glich, um einen verst\u00e4ndlichen und fundierten Wissenstransfer und darum Menschen und Organisationen zusammenzubringen. Es gibt so viele engagierte und gro\u00dfartige Menschen, die daran arbeiten, unser Leben besser zu machen, sie verdienen es geh\u00f6rt zu werden und Anerkennung f\u00fcr ihre Leistungen zu bekommen.      Res\u00fcmee \u2013 kann ich mit MS \u00fcberhaupt arbeiten?      Auf jeden Fall! Definiere Dein Ziel und \u00fcberlege Dir dann wie Du es erreichst! Normalerweise geh\u00f6ren dazu Wissen, Kontakte, praktische Erfahrungen und Unterst\u00fctzung verschiedenster Art. Und Du darfst nicht beim ersten Scheitern aufgeben, sondern es immer wieder versuchen bis es klappt und am besten analysieren, woran es hapert. Denn dann kannst Du schneller Dein Ziel erreichen.      Meine Tipps f\u00fcr eine erfolgreiche Berufslaufbahn      Lernen immer wieder Neues hinzu und h\u00f6re nie damit auf. Sei und bleibe offen f\u00fcr Menschen und Neuerungen in jeglicher Hinsicht. Wenn du interessiert und engagiert bist, wird das irgendwann gesehen und honoriert. Probiere im Privaten Neues aus, manches wird Dich l\u00e4nger begleiten, anderes nicht und vielleicht ist eine entscheidende Weggabelung mit dabei. Lebe jetzt Deine Tr\u00e4ume nicht sp\u00e4ter. Ich w\u00fcrde heute wohl nicht mehr so einfach in die USA gehen, wegen meiner Familie. H\u00f6re anderen Menschen gut zu und stelle Fragen. Wer fragt, zeigt Interesse und versteht besser. Bilde Dich im Job und au\u00dferhalb weiter. So wirst Du immer gesch\u00e4tzt bleiben und kannst besser \u00fcber Deinen Weg mitbestimmen. W\u00e4ge genau ab, ob ein offener Umgang mit MS sinnvoll ist oder eher nicht bzw. welcher Personenkreis davon wissen soll oder darf. Und h\u00f6r auf Dein Bauchgef\u00fchl. Mir war es immer ein guter Wegweiser.       Bestm\u00f6gliche Gesundheit w\u00fcnscht Dir, Nele Mehr Informationen und positive Gedanken erh\u00e4ltst Du in meinem&amp;nbsp;kostenlosen Newsletter. Hier findest Du eine&amp;nbsp;\u00dcbersicht aller Podcastfolgen.               ","author_name":"MS-Perspektive - der Multiple Sklerose Podcast","author_url":"http:\/\/ms-perspektive.de","html":"<iframe title=\"Libsyn Player\" style=\"border: none\" src=\"\/\/html5-player.libsyn.com\/embed\/episode\/id\/22118651\/height\/90\/theme\/custom\/thumbnail\/yes\/direction\/forward\/render-playlist\/no\/custom-color\/88AA3C\/\" height=\"90\" width=\"600\" scrolling=\"no\"  allowfullscreen webkitallowfullscreen mozallowfullscreen oallowfullscreen msallowfullscreen><\/iframe>","thumbnail_url":"https:\/\/assets.libsyn.com\/secure\/content\/121328885"}