{"version":1,"type":"rich","provider_name":"Libsyn","provider_url":"https:\/\/www.libsyn.com","height":90,"width":600,"title":"Hinterfragen statt glauben","description":"\u201eMittelma\u00df und Wahnsinn\u201c, der Podcast \u00fcber den Spagat zwischen Anspruch und Wirklichkeit in unseren Unternehmen, \u00fcber die stetig weiter werdende L\u00fccke zwischen Reden und Realit\u00e4t. Heute geht es um eine spezielle dieser L\u00fccken. Allgemein k\u00f6nnte man sagen, es ginge um den Umgang mit Daten und Informationen, Befragungen und Statistiken. Es ginge darum, dass entgegen aller Rhetorik vom \u201eData Driven\u201c Business dieser Umgang vielfach oberfl\u00e4chlich, bisweilen gar schlampig ist. Konkret und mit etwas Blutdruck geht es aber um ein spezielles Thema: den j\u00e4hrlich erscheinenden Bericht der Boston Consulting Group zu den \u201eInnovativsten Unternehmen\u201c des Jahres (hier geht's zu den Reports  2018&amp;nbsp;und  2019) Warum gerade dieser Bericht? Ein Grund ist, dass mich dieser Bericht \u00e4rgert, seit ich ihn das erste Mal unter die Finger bekommen habe. Warum? \u2013 Erstens, weil der Umgang mit Daten, wie er in diesem Bericht geschieht, meinem Naturwissenschaftler-Herz und -Bauch tats\u00e4chlich Schmerzen bereitet. Und zweitens, weil er trotzdem eine Reputation hat, die ihresgleichen sucht. Der Bericht, nein: eigentlich nicht der ganze Bericht, sondern das darin enthaltene Ranking, wird gepostet und ge-repostet. In den Corporate Intranets klopft man sich auf die Schultern, wenn man es unter die Top 50 geschafft hat und mancher spinnt den Faden der Interpretation noch weiter als das selbst die Autoren tun. K\u00fcrzlich habe ich auf LinkedIn einen Kommentar gelesen, in dem mit Blick auf die 2019-er Liste gefolgert wird, dass deutsche Unternehmen weit innovativer w\u00e4ren als chinesische. Ich pers\u00f6nlich glaube nicht, dass das stimmt. Nein, eigentlich wei\u00df ich es einfach nicht. Das ist aber gar nicht die Frage. Die Frage ist, ob man das aus der BCG Studie ableiten kann. Und darauf ist die Antwort bestenfalls ein m\u00fcdes L\u00e4cheln. Wenn man wohlwollend gesinnt ist. Hier also der Versuch einer Dekonstruktion dieser ber\u00fchmten Studie. Zu diesem Zweck habe ich mir die beiden letzten Ausgaben angeschaut; die von 2018 und die von 2019. Das hat zwei Gr\u00fcnde: erstens sagt die zeitliche Ver\u00e4nderung immer mehr aus als die Momentaufnahme und zweitens ist der 2018-er Bericht der letzte, in dem ich wenigstens rudiment\u00e4re Informationen zur Methode gefunden habe. Das ist ein Kapitel f\u00fcr sich, auf das ich sp\u00e4ter noch ausf\u00fchrlicher eingehen werde. Wie gesagt, die Studie erf\u00e4hrt Jahr f\u00fcr Jahr gr\u00f6\u00dfte Aufmerksamkeit, wobei sich diese Aufmerksamkeit wie so oft vor allem auf Eines konzentriert: das Ranking. Wer steht auf der Top 50 Liste und wer nicht? Tats\u00e4chlich bietet der Report viel mehr, zum Beispiel eine Diskussion der jeweils prominentesten Innovationsthemen, in der 2019-er Version vor allem \u2013 Surprise! \u2013 K\u00fcnstliche Intelligenz und \u00d6kosysteme. Das ist vielleicht auch der Teil, in dem man echte Erkenntnisse gewinnen kann, aber \u2013 wie gesagt \u2013 die Aufmerksamkeit gilt vor allem: dem Ranking. Also widmen wir uns hier auch gleich diesem Ranking. &amp;nbsp; Es f\u00e4ngt mit der \u00dcberschrift an Das erste \u00c4rgernis der Studie \u2013 und dieses Rankings \u2013 aber ist schon ihre \u00dcberschrift: \u201eThe most innovative companies in \u2026\u201c, gefolgt vom Jahr, in dem der Bericht jeweils im Fr\u00fchjahr \u2013 ver\u00f6ffentlicht wird. Streng genommen, ist diese zeitliche Zuordnung schon falsch. Der Bericht basiert auf einer Befragung, die aus dem Vorjahr stammt. Der 2019-er Bericht hat also bestenfalls den Anspruch, die innovativsten Unternehmen aus 2018 zu beschreiben. Zugegeben, fast eine Kleinigkeit, aber trotzdem \u00e4rgerlich, wenn man zum Beispiel den Anspruch h\u00e4tte, konkrete Innovationen oder Ereignisse und das Ranking in Verbindung zu setzen. So einen Anspruch hat die Studie nat\u00fcrlich nicht. Ein \u00c4rgernis ist es trotzdem. Ja, as mit dem Jahr ist eher eine l\u00e4ssliche S\u00fcnde. Aber schauen wir einmal auf den Titel selbst: \u201eThe most innovative companies.\u201c Punkt. \u201eBold\u201c w\u00fcrde man auf Englisch sagen. Der Anspruch ist irgendwie absolut. Und er ist nicht nur der Suche nach einer guten Schlagzeile geschuldet. Auch im Text findet sich keine Spezifizierung, wie zum Beispiel \u201eThe most innovative companies \u2026 as seen by BCG\u201c oder \u201eThe most innovative companies\u201c \u2026 nach folgenden Kriterien oder Standards. Nein, schlicht und ergreifend und f\u00fcr die Ewigkeit: \u201eThe most innovative companies\u201c. Schluss. Die 2019-er Studie toppt die Vorjahre in dieser Hinsicht noch, weil darin \u2013 wie gesagt \u2013 nicht mal mehr ein rudiment\u00e4rer Hinweis auf die Methode zu finden ist. Wir sind also angehalten, schlicht der Weisheit der Autoren und ihrer Company zu vertrauen. \u2026 Nein: wir sprechen wohl besser von \u201eGlauben\u201c und begegnen einem weiteren, verbreiteten Ph\u00e4nomen: Quellen und Methoden, wie Informationen gewonnen werden, sind nicht mehr arg relevant. Es reicht nicht selten, Erkenntnis zu postulieren. Je absoluter, desto glaubhafter. Zumindest solange man sich innerhalb der richtigen Filterblase bewegt. &amp;nbsp; Ranking in der Filterblase Jetzt aber endlich zum Ranking selbst, das sich in dieser absoluten Form verselbst\u00e4ndigt und Grundlage f\u00fcr Selbstbilder, Fremdbilder und weitergehende Analysen wird. Fangen wir mit der Studie von 2018 an, die \u2013 wie gesagt \u2013 auf 2017-er Ergebnissen basiert und werfen einen Blick auf die Top 50. Die ersten zw\u00f6lf, dreizehn Pl\u00e4tze belegen \u201edie \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen\u201c. Ganz vorne Apple, Google, Microsoft, Amazon. Dann Samsung, Tesla, Facebook, IBM, Uber, Alibaba, Airbnb, SpaceX und Netflix. Wie es SpaceX in 2018 \u2013 einmalig \u2013 auf die Liste geschafft hat, ist ein kleines R\u00e4tsel, der Rest aber ist Klischee: Die Technologie-Unternehmen, die die Welt und die Indizes dominieren. Im BCG Sprachgebrauch sind die meisten davon \u201eSteady Innovators\u201c, wobei zu dieser elit\u00e4ren Gruppe auch immer noch HP und Toyota z\u00e4hlen, obwohl die beiden in den letzten Jahren kontinuierlich nach hinten durchgereicht werden. Eine Bewertung, ob diese Companies ihre Positionen zurecht haben und so konstant verteidigen, ist kompliziert. Bei manchen ist man versucht zu fragen, wann sie ihre letzte signifikante Innovation hervorgebracht haben. Bei manchen hat man den Eindruck, dass sie einfach ihr hochprofitables Gesch\u00e4ftsmodell melken, ohne dass ein Ende absehbar w\u00e4re und einige k\u00f6nnen es sich einfach leisten, in Forschung und Innovation zu investieren, weil sie schlicht im Geld schwimmen; was wiederum kein Argument gegen einen legitimen Platz auf der Liste ist. Eines aber gilt f\u00fcr alle: Der Mythos lebt \u2026 und genau das ist es, was die BCG-Liste widerspiegelt, diesen Mythos. Fast interessanter wird es auf den folgenden Pl\u00e4tzen, die weniger er-erbt als verdient sein sollten. Hier wird die Sammlung \u2013 vorsichtig formuliert \u2013 \u201everwirrend\u201c. Verwirrend ist zuerst, dass die Liste dahingehend un-\u00fcberraschend ist als der Bekanntheitsgrad aller auf diesen R\u00e4ngen gelisteten Unternehmen hoch ist. Einem ersten Impuls folgend, w\u00fcrde man bei der Antwort auf die Frage nach den innovativsten Unternehmen nicht ausschlie\u00dflich altbekannte Platzhirsche vermuten. Tats\u00e4chlich findet man aber nichts anderes im Ranking. Wir sind immer noch in 2018 (oder 2017): General Electric, Siemens, Bayer, BASF, Daimler, BMW, Renault, Procter &amp;amp; Gamble, Marriott, InterContinental Hotels \u2026 , populieren die Top 50 um nur einige zu nennen. \u201eNach welchen Standards sind das die innovativsten Unternehmen 2017?\u201c, fragt man sich unmittelbar. Wenn man die Liste ein wenig wirken l\u00e4sst, dr\u00e4ngt sich nach etwas Verwunderung \u00fcber das ein wenig marode GE gleich die n\u00e4chste Frage auf: \u201eWo sind die Peers dieser \u2013 vermeintlichen -- Innovationsf\u00fchrer?\u201c bzw. \u201eWarum haben sie es nicht unter die Top 50 geschafft?\u201c. Warum fehlt VW? \u2013 Schlie\u00dflich hat man da mindestens mit Audi eine Marke, die BMW und Daimler kaum nachstehen sollte? Warum ist Adidas auf der Liste, Nike aber nicht? Warum Orange, aber nicht Vodafone oder T-Mobile? Warum JP Morgan Chase und keine andere Bank? Dann tats\u00e4chlich die Frage nach China: Was ist mit ICBC, PingAn, Sinopec, Hutchinson, Haier, Baidu \u2026 ? Ein einziger gro\u00dfer blinder Fleck. Das genaue Ranking ist angesichts der Fragestellung vielleicht nicht ganz so wichtig und wie m\u00f6chte man schon die Innovationskraft einer Versicherung mit der eines Technologieunternehmens oder eines Pharmaherstellers vergleichen. Trotzdem gibt es Auff\u00e4lligkeiten: Warum zum Beispiel ist Huawei so weit hinter Samsung und Apple? Oder Verizon knapp drei\u00dfig Pl\u00e4tze hinter Orange? Der Punkt ist, dass bei Companies dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung die realen Innovations-Unterschiede meist denkbar gering sind. Sie setzen alle auf Digitalisierung. Sie haben alle ihre Labs und betreiben mutiges Design Thinking. Sie versuchen, ausgefeilte Innovationsprozesse zu implementieren. Sie springen auf die selben Trends und nutzen die selben Berater. Und sie haben alle dieselben Beschr\u00e4nkungen: B\u00fcrokratie, Budgets und die n\u00e4chste Analystenkonferenz. Warum sollte also das eine auf der Liste sein und seine nahen Peers nicht? Genauso kann man fragen, warum zum Beispiel so viele Mobilfunkanbieter es unter die Top 50 schaffen. Die Innovationen sind hier vor allem steigende Bandbreiten, aber das ist ziemlich vorhersehbar. Die Komponenten kommen anderswo her und die Kunst besteht zum guten Teil in der Logistik der Netzwerkabdeckung und im Verkauf. Warum schlie\u00dflich fehlen die wirklich innovative Unternehmen? Spotify und Zappos werden in derselben Studie als Beispiele zitiert. Was ist mit Gore? Was ist mit Salesforce? Was ist mit Adobe, RedHat, Baidu \u2026? Die Liste f\u00fchlt sich an, wie eine leicht willk\u00fcrliche Selektion von Gro\u00dfunternehmen mit einem gewissen Bias in Richtung einiger Branchen und in Richtung von Marktf\u00fchrern; mit einem blinden Fleck in China oder Asien im Allgemeinen. Und genau das ist auch das, was die Methodik fast zwingend liefert. Wir kommen gleich darauf. Zuerst aber noch ein Blick auf die neueste Edition. Auf den vorderen Pl\u00e4tzen sieht es \u00e4hnlich aus. Da haben wir weiter unsere \u201eSteady Innovators\u201c. Nur Apple musste seinen Stammplatz an der Spitze abgeben und rangiert nur noch auf Platz drei. SpaceX ist wieder verschwunden. Auch dahinter bleibt das Prinzip fast dasselbe, selbst wenn ein paar Player gewechselt haben. Tats\u00e4chlich hat es Salesforce auf die Liste geschafft. Und diesmal auch VW, ziemlich genau in der Mitte zwischen BMW und Daimler. Ist das nun ein Innovationssprung oder was steckt dahinter? Die Liste der Mobilfunker wird bereichert durch T-Mobile US, wobei in der Fu\u00dfnote ausdr\u00fccklich Wert darauf gelegt wird, dass es nicht um die Deutsche Telekom geht. Ansonsten: viele alte Bekannte. McDonalds, Walmart, Hilton und ein paar andere sind nach mehr oder weniger kurzen Pausen wieder auf der Liste. Ein paar andere mussten daf\u00fcr weichen. Das gr\u00f6\u00dfere Bild wird dadurch aber eher best\u00e4tigt als ver\u00e4ndert. Lediglich bei den zum ersten Mal vertretenen Vale, Stryker und Rio Tinto fragt man sich, ob es unentdeckte Gr\u00fcnde gibt, warum ausgerechnet sie unter den Top 50 gelandet sind. Wahrscheinlicher aber ist, dass wir sie im n\u00e4chsten Jahr nicht wiedersehen werden. So wie SpaceX. Das Bild bleibt: Vorne die Digital-Unternehmen, die den Dow Jones beherrschen, dahinter wechselnde Variationen von Markf\u00fchrern und klischeehaften Innovationsbranchen. USA und Europa bevorzugt. Zeit, sich mit den Gr\u00fcnden zu befassen. &amp;nbsp; Shareholder Value = Innovation? Wie gesagt, f\u00fcr die Ausgabe 2019 haben die Autoren gar keinen Hinweis mehr auf die Methode gegeben. Aus dem 2018er Bericht haben wir wenigstens ein paar sp\u00e4rliche Informationen: 40% des Rankings basieren auf dem Drei-Jahres Total Shareholder Return der jeweiligen Aktie. Die restlichen 60% resultieren aus Befragungsergebnissen. Zu jeweils 30% gehen dabei ins Ranking R\u00fcckmeldungen zu Unternehmen au\u00dferhalb der Branche des Befragten ein, zu 30% Ergebnisse innerhalb dieser Branche. Wer genau befragt wurde und wie viele Teilnehmer es insgesamt gab, ist nicht einfach herauszufinden. In Interviews findet man Aussagen \u00fcber ca. 2.500 Executives. Und wie die Auswertung genau geschieht, ist auch nicht selbsterkl\u00e4rend., selbst wenn man die Aussagen zu den Prozentwerten hat. Aber nehmen wir, was wir haben. Also: zu 40% basiert das Ranking auf dem Total Shareholder Return \u00fcber eine Periode von drei Jahren, im Wesentlichen also auf der Entwicklung des Aktienkurses und ein paar zus\u00e4tzlichen Gr\u00f6\u00dfen wie Dividenden und Mergers bzw. Spin Offs. In Summe: der Entwicklung des Shareholder Values \u00fcber die vergangenen drei Jahre. Als \u201eInnovation\u201c z\u00e4hlt in diesem Sinne also auch, wenn es gelingt, die Preise f\u00fcr seine Cash Cows zu erh\u00f6hen, den Vertrieb zu pushen \u2026 oder z.B. auch ein Aktienr\u00fcckkaufprogramm. Das alleine erkl\u00e4rt einen guten Teil des Rankings \u2013 genauer: 40%. Die n\u00e4chsten 30% sind Fremdwahrnehmung, Einsch\u00e4tzungen von branchenfremden Managern. Gut, man mag zugestehen, dass diese Befragtengruppe \u00fcberdurchschnittlich informiert und auch vernetzt ist. Aber au\u00dferhalb der eigenen Branche ist das Wissen vermutlich trotzdem ziemlich nahe an dem, was man so allgemein denkt oder liest oder h\u00f6rt. Also: \u201eGoogle ist super-innovativ. Die bauen ja selbstfahrende Autos\u201c oder: \u201eApple ist doch die innovativste Company der Welt. Die haben ja iPod und iPhone erfunden und verdienen ohne Ende Geld\u201c \u2026 . You name it. Unterhalb der Ebene dieser Superstars ist man noch mehr auf Allgemeinwissen angewiesen. Schnell endet man so bei den Marktf\u00fchrern. Innerhalb der eigenen Branche wei\u00df man wahrscheinlich mehr. Immerhin handelt es sich ja um den Wettbewerb. Aber erstens macht das nur noch 30% aus und zweitens gibt es auch hier sicher einen Gr\u00f6\u00dfen-Bias in der Einsch\u00e4tzung. So erkl\u00e4rt sich das Ranking also praktisch von selbst, wenn man die Methode kennt: Shareholder Value mit einem Flavour von \u201egef\u00fchlter Innovation\u201c und einem Bias in Richtung von Bekanntheit. Genau so sieht die Liste dann auch aus. Ein weiterer \u2013 unbekannter \u2013 Faktor kommt hinzu: das Panel der Befragten. Die Ergebnisse legen nahe, dass es einen gro\u00dfen Schwerpunkt in den USA und in Europa gibt, w\u00e4hrend insbesondere China schw\u00e4cher vertreten ist. Alles weitere ist Spekulation. So k\u00f6nnte es z.B. sein, dass die Clienten der Boston Consulting Group bei den Antworten \u00fcberrepr\u00e4sentiert sind. Mit dem Ergebnis, dass die Filterblase noch kleiner wird. &amp;nbsp; Der neue Imperativ: Fragen, statt glauben Puh, nun haben wir also diesen ber\u00fchmten Bericht etwas dekonstruiert und gelernt, dass er vieles widerspiegelt, kaum aber die Innovationskraft der Unternehmen, die auf der Liste landen. Das hei\u00dft \u00fcbrigens nicht, dass diese Unternehmen nicht vielleicht Innovationsf\u00fchrer w\u00e4ren. Es hei\u00dft nur, dass die BCG-Studie als Beleg daf\u00fcr wenig taugt. F\u00fcr die, die am Thema interessiert sind: es gibt auch andere Ans\u00e4tze, z. B. von Forbes, die dann auch andere Ergebnisse liefern. Es geht aber nicht nur um diese Studie. Eigentlich ist sie nur ein Case in Point. Wir haben es mit einem weiter verbreiteten Ph\u00e4nomen zu tun. Einem Ph\u00e4nomen mit folgenden Symptomen: &amp;nbsp;  Wir glauben, statt zu hinterfragen.  Wenn die Quelle einigerma\u00dfen verl\u00e4sslich erscheint oder unseren eigenen Filterkriterien entspricht, dann nehmen wir das Ergebnis, wie es ist. Schlimmer noch: wir verbreiten es, posten und re-posten \u2026 und bauen dann noch weitere Analysen auf ein falsches Fundament \u2013 \u201eDeutschland ist innovativer als China\u201c. Der Wahrheit auf den Grund zu gehen, ist m\u00fchsam.  Wir haben daf\u00fcr bisher mehr als 2000 W\u00f6rter gebraucht und wir k\u00f6nnten noch viel tiefer tauchen, zum Beispiel weiter zur\u00fcck in die Historie und in die Effekte verschiedener Systemwechsel, die die Studie erfahren hat. Wenn man es einmal verstanden hat, ist es einfach.  Drei-Jahres Total Shareholder Return, gew\u00fcrzt mit Bekanntheitsgrad und ein paar Biases und Klischees.  &amp;nbsp; Schlie\u00dflich: Fast alles hat einen Zweck. \u201eTraue keiner Statistik, die Du nicht selbst gef\u00e4lscht hast\u201c, sagt man. Ich glaube, das ist keine angemessene Aussage. Es geht nicht um F\u00e4lschung, es geht um Interpretation. Die BCG Studie zum Beispiel ist nicht willk\u00fcrlich. Sie hateine Methode und sie wird sorgf\u00e4ltig durchgef\u00fchrt. In diesem Sinne ist sie auch in keiner Weise falsch. Sie hat nur gravierende Schw\u00e4chen, wenn es um das geht, was sie zu beschreiben verspricht: Innovation. Eigentlich ist sie vor allem der Versuch, sich um eine qualifizierte Definition von Innovation herumzudr\u00fccken bzw. diese Definition durch eine Art heuristische N\u00e4herung zu ersetzen. Selbst das ist noch nicht sch\u00e4dlich. Manchmal sind solche N\u00e4herungen aussagef\u00e4hig. Nur in diesem Fall halt nicht. In gewisser Weise aber ist das alles egal. Der Bericht erf\u00fcllt n\u00e4mlich seinen Zweck perfekt. Er erzeugt Aufmerksamkeit f\u00fcr seinen Herausgeber und er adressiert die richtige Zielgruppe. Was w\u00fcrde die beste Innovationsstudie n\u00fctzen, wenn darauf vor allem Unternehmen der zweiten und dritten Reihe landen w\u00fcrde, selbst wenn gelegentlich ein kommender Superstar darunter w\u00e4re? Die Zielgruppe w\u00e4re schnell ziemlich schmal und die Schnittmenge mit potenziellen und potenten Beratungs-Kunden w\u00e4re recht klein. Eher etwas f\u00fcr Venture Capital Investoren als f\u00fcr potenzielle Kunden einer Strategieberatung. In diesem Sinne: nehmen wir das Ranking vielleicht nur als Anlass, den Rest der Studie zu lesen und verzichten einfach auf jede Interpretation der Liste selbst. Vor allem aber: seien wir aufmerksam und vorsichtig, wenn uns die Verk\u00fcrzung von Wahrheit begegnet und nehmen und die Zeit, einen genauen Blick hinter die Kulisse zu werfen! &amp;nbsp; Mehr zu \u201eMittelma\u00df und Wahnsinn\u201c im gleichnamigen Buch (hier bei  Amazon) oder auf meiner Website http:\/\/gehacon.de. ","author_name":"Mittelma\u00df und Wahnsinn","author_url":"http:\/\/gehacon.de\/mittelmass-und-wahnsinn-das-buch\/","html":"<iframe title=\"Libsyn Player\" style=\"border: none\" src=\"\/\/html5-player.libsyn.com\/embed\/episode\/id\/9834236\/height\/90\/theme\/custom\/thumbnail\/yes\/direction\/forward\/render-playlist\/no\/custom-color\/000000\/\" height=\"90\" width=\"600\" scrolling=\"no\"  allowfullscreen webkitallowfullscreen mozallowfullscreen oallowfullscreen msallowfullscreen><\/iframe>","thumbnail_url":"https:\/\/assets.libsyn.com\/secure\/content\/42798689"}